Oh Gott, meine Frau bekommt einen Schnüpfelchen
Das wird doch bei mir ein ausgewachsener Rotz!
Das wird doch bei mir ein ausgewachsener Rotz!
Wenn ich mir den Wetterbericht für zu Hause ansehe, finde ich das grandios.
Der gestrige Campingplatz war grauenvoll. Nicht nur, daß nachts um 3 noch Gäste kamen, die sich dann auch noch stritten. Nein, zum Entleeren der Toilettenkassette mußte ich diese auf Brusthöhe heben. Das ist einfach unschön. Normalerweise sind die Ausgüsse maximal auf Höhe des menschlichen Beckens, meist sind sie im Fußboden eingelassen.
Jetzt stehen wir auf einem Parkplatz an der E8 am Kilpisjärvi. Hier gibt es nicht Mal eine Toilette ( absolute Seltenheit) aber jede Menge Finnen, Norweger und Schweden, die mit dem PKW ankommen, ein Zelt, Isomatten und Schlafsäcke auspacken und unterhalb des Parkplatzes am See campen. Denn Wanderwege gibt es hier auch nicht. Die Skandinavier sind verrückt. Wir erleben oft, wie die Finnen abends um 22:00 Uhr auf Wanderparkplätzen ankommen und dann mit Equipment für eine oder zwei Nächte zu Fuß aufbrechen. Wir stehen im Dreiländereck zwischen Finnland, Norwegen und Schweden.


Vorher waren wir noch im Freilichtmuseum „Sturmbock“. Das ist eine Verteidigungsanlage der Deutschen Wehrmacht, die im Lapplandkrieg errichtet wurde. Ich hätte fast gesagt, von den Deutschen errichtet wurde. Aber nein, streng genommen von sowjetischen Kriegsgefangenen. Es ist bedrückend. Es ist aber auch bedrückend, daß der Westen sich eigene Wahrheiten schafft. Denn die Finnen waren Verbündete der Deutschen. Es geht mir hier nicht um die moralische Wertung des Paktes. Es geht darum, daß niemand bereit ist, sachlich darüber zu reden.


Wir sind in Schweden. Aber nicht, weil wir von Finnland die Faxen dicke haben. Nein, wir waren tanken. Wir kamen auf finnischer Seite dicht an Schweden ran und der Diesel kostet hier an dieser Tanke in Karesuvanto umgerechnet 1,69 €. Schweden ist zum Tanken derzeit das billigste Land in Europa. Die schwedische Regierung hat an der Stelle vorübergehend die Energiesteuer aufgehoben. Nach dem Tanken hatte ich ganz schlicht keine Lust, weiter zu fahren und wir mieteten uns auf dem Campingplatz um die Ecke ein. Morgen geht es wieder nach Finnland.

Wir stehen in einem 1A-Skigebiet. Derzeit sind Abfahrten nur mit dem Fahrrad möglich, es fehlt der Schnee. Aber im Winter ist mit Schneekanonen vorgesorgt. Ome. Der Levi ist einer der höchsten Berge Finnlands, höhere gibt es nur an der Grenze zu Norwegen. Die letzten 2 Tage waren unspektakulär. Wir waren für eine Nacht im Lemmenjoki-Nationalpark. Hier wollte der Purzelhase am Lemmenjoki-Fluss, an dem man Gold schürfen kann, entlangwandern. Aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Also machten wir uns auf den Weg in den westlichen Daumen der finnischen Landkarte. 60 km Schotter- und Lehmpiste! Aber genau dafür kauften wir das neue Auto. Mit dem Alten hätte das nicht funktioniert.
Aber der Campingplatz von vorgestern, Giellajohka, war ziemlich genial.


Es wurden heute doch keine 24-26 km. Nach ca. 6 km wurde mir klar, daß ich diese Wege keine 24 km durchhalten würde. Also kehrten wir nach ungefähr 6 km um und machten uns auf den Rückweg. Und das war eine gute Entscheidung. Denn es ging hoch und runter über Stock und Stein. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und es ist besser, wenn am Ende des Weges noch Kraft da ist, als das am Ende der Kraft noch Weg da ist. Es wurden rund 13 km und ich war fertig.



Jetzt stehen wir auf einem kleinen, süßen Campingplatz. Hier werden Rentiere gezüchtet. Das Gehege ist direkt hinter unserem Auto. Wir mußten den Platz anlaufen, denn wir haben kein Wasser mehr. Dafür ziehen wir das erste Mal Strom. Den Platz kann man nur mit Strom buchen. Dafür habe ich hier Mal direkt unsere elektrische Heizung probiert. Auch die funktioniert. Denn das Auto kann mit Diesel, mit Strom oder einem Mix aus beidem beheizt werden. Bedeutet, das man im Winter nicht auf Gas angewiesen ist. Genial!
Ach übrigens – letzte Nacht waren es hier 9°C und heute Nacht werden es 7°C. Herrlich!
So, wir stehen unweit der norwegischen Grenze und nur 290 km vom Nordkapp entfernt auf einem Wanderparkplatz bei Utsjoki. Viel weiter nördlich geht es in Finnland nicht. Wir sind dem Pol näher, als wir es in Island waren.
Gestern machten wir eine Tour auf einem Geologiepfad unterwegs. Der war nur 3,9 km Land, hatte es aber in sich. 180 m Steigung auf 800 m Weg und das Gleiche runterzu macht sich in den Beinen bemerkbar. Zumal bei einem Weg, der nur aus Steinen und Wurzeln besteht.

Heute war es nur eine vergleichsweise einfache Wanderung mit 3 km.
Morgen sollen es an die 24 km werden. Schaumermermal.
Übrigens: aufs Nordkapp verzichten wir bewußt. Es ist irgendwie für viele Leute ein absolutes Sehnsuchtsziel. Und genau so sieht es da dann auch aus. Unglaublich viele Leute, die einfach nur sagen wollen:“ Ich war schon da.“. Und das sind uns zuviele.
Das ist unser Stellplatz für die Nacht. An Ufer des Utsjoki- Flusses. Das ist am Kevo-Naturreservat. Eigentlich wollten wir hier bis zur nächsten Grillhütte wandern. Das waren ca. 2,5 km. Aber wir haben auf. Der Weg war derart, daß uns klar wurde, wir wären nach 5 km (mit Rückweg) völlig tot. Denn Wanderwege, wie man sie aus der BRD kennt, sind hier echt die Ausnahme. Die Wege sind alle ein Traum wie vor langer Zeit. Also bleiben wir einfach hier. Mit seiner Zeit kann man jede Menge anfangen, denn es gibt hier, am echten Arsch der Welt, Internet satt. 5G! Zu Hause könnten wir nicht mal eine Funklochapp runterladen.
Als wir heute Inari verließen, mußten wir noch Müll entsorgen und Vorräte besorgen. Dabei fielen mir einige Dinge auf. Z.B. die Rückgabe von Getränkedosen. Man kann in die Pfandautomaten alles reinwerfen. Selbst bundesdeutsche Dosen. Dann teilt das Gerät mit, daß es die Dose nicht kennt, gibt keinen Pfand dafür raus, aber die Dose wird trotzdem dem Recyclingsystem zugeführt. Denn der Automat nimmt sie an. Mein Gott, welcher Weltuntergang wurde im grünen Vorreiterland mit so etwas eingeläutet.
Dann stellte ich fest, daß die 3 Supermärkte ihre Mülltonnen zuschrauben und nur einen winzigen Spalt offenlassen. Das dient dazu, daß die Wohnmobilfahrer nicht ihren gesamten Müll in diesen Tonnen entsorgen können. Die kommunalen Müllsammelstelle ist direkt daneben. Aber das würde aber bedeuten, daß sich die Wohnmobilisten mit ihrer Umgebung beschäftigen müßten. Auch fiel mir hier im hohen Norden auf, daß immer mehr Bewohner ihre Grundstückszufahrt blockieren und ein Schild „Privat“ aufhängen. Auf sämtlichen Parkplätzen in Inari hängen Schilder „Campen verboten“ in mindestens 3 Sprachen. Ich habe den Eindruck, daß die Finnen, die auf das Jedermannsrecht (Allemannsrett) total stolz sind, die Schnauze voll haben, das die Wohnmobilfahrer dieses Recht bis zum letzten ausreitzen.
Darum stehen wir auch trotz Allrad auf einem echten Parkplatz an der Straße, auch wenn es auf den Bildern nicht so aussieht 😃. Es ist allerdings derart am Arsch der Welt, daß hier fast nichts mehr fährt.


Wir verbringen die letzte Nacht in Inari. Hier besuchten wir das Samimuseum, welches gut ist, aber dem in Jockmock in Schweden nicht das Wasser reichen kann und unternahmen eine Bootstour auf dem Inarisee ( Inarijärvi). Aus dem Museum wissen wir, das hier 3 Samikulturen aufeinandertrafen. Die Nordsami, die Inarisami und die Skoltsami. Für die Beschreibungen kann man im Museum tatsächlich zwischen allen 3 Samisprachen, dem Finnisch, Schwedisch und Englisch wählen.
Ansonsten war der Aufenthalt ja ein Test der Batteriekapazität und der Solaranlage. Es ist jetzt 23 Uhr in der dritten Nacht und wir haben noch 90 % Batteriekapazität. Das ist ok, wenn man bedenkt, daß der Kühlschrank rein elektrisch betrieben wird.



Morgen geht es nach Kevo. Das ist der nördlichste Nationalpark der Finnen. Hier gibt es einen Kanyon, der im Winter die kälteste Gegend und im Sommer die wärmste Gegend in ganz Finnland ist. Zwischen Winter und Sommer herrschen Temperaturunterschiede von 80° C.
Wir sind angekommen und sehen auf einem kleinen, aber süßen Campingplatz am Inarisee mit Blick aufs Wasser. Wir waren in 2022 schon einmal hier. Damals brach in der ersten Nacht bei mir Corona aus, ich war 3 Tage völlig weg, dann brach es beim Purzelhasen aus. Als ich wieder halbwegs bei Kräften war, fuhren wir damals umgehend 200 km zurück nach Sodankyler. Denn hier oben gibt es keinen Arzt. Daher konnten wir den Ort nicht wirklich schätzen und holen dies nun nach. Morgen geht es (wahrscheinlich bei Regen) ins Samimuseum und am Donnerstag ist eine Dampfertour über den See geplant. Wetter soll geil werden, momentan regnet es. Apropos Wetter – wir habe keinen Strom auf dem Platz gebucht. Wir würden gern wissen, wie lange wir mit den Batterien und der Solaranlage auskommen. Schaumermal.